Ecuador hat neue Adoptionsregeln eingeführt, bei denen die sexuelle Orientierung mitentscheidet, wer ein Kind adoptieren darf. Nach dem Gesetz dürfen nur verschiedengeschlechtliche Paare adoptieren. Alleinstehende Personen müssen heterosexuell sein. Menschenrechtsorganisationen erklären, dass diese Bedingungen LGBTQIA+ Personen diskriminieren und die Zahl geeigneter Familien für Kinder verringern könnten.
Das Gesetz wurde als Maßnahme zur Vereinfachung des ecuadorianischen Adoptionssystems vorgestellt und trat am 14. August in Kraft. Die Nationalversammlung verabschiedete es mit 118 Ja-Stimmen und ohne Gegenstimme. Ziel ist es, Adoptionsverfahren zu verkürzen, damit Kinder weniger Zeit in Pflegeeinrichtungen oder Pflegefamilien verbringen.
Die Regelung für Paare entspricht der ecuadorianischen Verfassung, die Adoptionen verschiedengeschlechtlichen Paaren vorbehält. Die Verfassung schreibt jedoch nicht vor, dass alleinstehende Personen heterosexuell sein müssen. Gleichzeitig verbietet sie Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. LGBTQIA+ Organisationen sehen deshalb einen Widerspruch zu diesen Schutzbestimmungen. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in Ecuador seit 2019 heiraten.
Der ecuadorianische LGBT-Verband bezeichnete schnellere Adoptionsverfahren als „ein legitimes und notwendiges Ziel“. Die sexuelle Orientierung dürfe jedoch kein Auswahlkriterium sein. „Heterosexuell zu sein, beweist keine elterliche Eignung“, erklärte die Organisation. Sie fragte außerdem, wie Behörden feststellen wollen, ob alleinstehende Bewerberinnen und Bewerber heterosexuell sind.
Ein weiterer Teil des Gesetzes sorgt bei Familien mit trans Kindern für Besorgnis. Eltern könnten das Sorgerecht verlieren, wenn ihnen vorgeworfen wird, geschlechtsbestätigende Maßnahmen zu „fördern“. Was genau mit „fördern“ gemeint ist, wird nicht erklärt.
Human Rights Watch warnte, die unklare Formulierung könne die Gesundheit von Kindern beeinträchtigen und Entscheidungen auf Grundlage von Vorurteilen ermöglichen. Der LGBT-Verband betonte außerdem, dass die Unterstützung von trans Kindern „eine Familie nicht zum Feind der Kindheit macht“.














